Category: Theater-AG

… denn nicht der Spiegel ist schuld!

… denn nicht der Spiegel ist schuld!

In Zeiten, in denen auf weltpolitischer Ebene häufiger die Frage im Raum steht, ob hohe öffentliche Ämter durch kuriose Verwechslungen fehlbesetzt wurden, erscheint „Der Revisor“ von Nikolai Gogol besonders aktuell. So avanciert das Schauspiel von einer kurzweiligen und unterhaltsamen Komödie zum Fangspiegel, welcher Signale gesellschaftlicher Schieflagen einfängt. Zwar schrieb Gogol dieses Stück vor dem Hintergrund des Zarenregimes Nikolais I., doch der enthaltene Fingerzeig auf die mit Macht einhergehende Moralgefährdung ist auch heute nicht von minderer Notwendigkeit.

Unter der Leitung von Katy Moser und Jacqueline Pfaff schaffte es die Theater-AG des LMG, Gogols „Revisor“ in eine Darstellung zu überführen, die durch die aktualisierte Sprache gefällig für den Zuschauer war und trotzdem nicht an sprachlich-groteskem Witz und Aussage verlor. Dabei blieb auch die schauspielerische Inszenierung nicht auf der Strecke und zeigte die Liebe zum Detail in der tollen Umsetzung von Monologen, Dialogen und chorischem Sprechen in jeder Szene aufs Neue. Der Zuschauer durfte sich somit über eine gelungene Gesamtkomposition freuen – auch hinsichtlich des Bühnenbilds und der technischen Begleitung.

So offenbarte die Eingangsszene eine warm-erleuchtete repräsentative Stube. Im Hintergrund prangte das „Stillleben mit Silberkanne und Hummer“ von Pieter Claesz, das zu einem formidablen Mahl einlud. Auch der barock anmutende Tisch in der Ecke verhieß ausreichende Stabilität, um lustbringenden Mahlzeiten Unterlage zu sein. Bei genauerem Hinsehen zeigte sich dieses Arrangement jedoch als Warnung: Der vermeintliche Imbiss ist bereits verzehrt und der Blumenschmuck des Tisches eignet sich bestenfalls noch zum Ofenbefeuern.

Vor diesem Hintergrund versucht der Bürgermeister eines russischen Provinzstädtchens zu retten, was noch zu retten ist. Schließlich wurde postalisch ein verdeckt ermittelnder Revisor zur Prüfung der städtischen Geschäfte angekündigt. Bürgermeister Antonowitsch (Nicole Dully, KS2) seine Elite, um sie von der bedrohlichen Nachricht zu unterrichten. Die Stimmung ist spürbar angespannt, haben sie doch alle weniger nach Gesetz und Moral ihr Amt erfüllt, sondern vielmehr eigenen Vorlieben entsprechend. So verhilft Kreisrichter Ljapkin-Tjapkin (Lea Barmetler, 10d) demjenigen zum „Recht“, der ihn mit Jagdhunden versorgt, während der Hospitalverwalter Semljanika (Sophie Hille, 10b) seinen eigenen Verdienst durch Medikamenteneinsparungen aufbessert – schließlich wird der Mensch auch „von allein“ gesund. Selbst die Bildung kann nicht gesichert werden, denn Schulinspektor Ohlopow (Lara Bernhold, KS2) vermag es – ob des lieben Friedens willen – nicht, sich dem revolutionären Geist seiner Lehrer entgegenzustellen. Für Bürgermeister Antonowitsch ist dies alles kein Novum, schließlich bestreitet er sein Leben als Organisator des korrumpierten Systems. Ebenso deutlich sind seine Instruktionen zur Verschleierung: aufräumen, kaschieren, maskieren!

Doch die Meldung der beiden wohlmeinenden Gutsbesitzer Bobtschinskij (Linda Unger, 9c) und Dobtschinskij (Lisa-Marie Ernst, 10b), welche mitteilen, einen vermeintlichen Revisor im Gasthof entdeckt zu haben, macht die Umsetzung des wohlersonnenen Plans zeitlich unmöglich. Im Versuch der Identitätsklärung des zahlungsunfähigen und überaus jungen Gastes, der sich inklusive seines Dieners in der scheußlichsten Absteige des Dorfes eingefunden hat, bleibt ihnen nur die unmöglichste aller Schlussfolgerungen: Es handelt sich um den Revisor! Ohnehin aufgebracht vom eingegangenen Brief, kann auch die vermeintliche Elite sich ihrer Schläue nicht mehr ermächtigen und erliegt den rhetorischen Bemühungen des Dideldum-und-Dideldei-Duos.

Im unbezahlten Zimmer des Gasthauses wartet derweil der Diener Ossip (Felix Stark, Abi 2018) auf die Rückkehr seines verarmten Herren Chlestakow (Felix Reber, 10a), den vermeintlichen Revisor. Ossip ist erzürnt über das ungewollte Schmarotzerdasein, doch Chlestakow, der sich nicht vom gehobenen Lebensstandard lossagen will, kann die Befürchtungen seines Dieners nicht nachvollziehen. In anmaßendem Selbstverständnis fordert er bei der Rückkehr in die Gaststube weiterhin gute Bewirtung, allen nicht gezahlten Rechnungen zum Trotz. Wie überaus praktisch, dass just im Moment drohender Enthüllung der verunsicherte Bürgermeister im Gasthaus erscheint, um den vermeintlichen Revisor willkommen zu heißen und alle angehäuften Rechnungen zu begleichen – mit einem Revisor sollte man sich schließlich gut stellen, wenn die Geschäfte der Stadt nicht gänzlich lupenrein sind. So wird denn kurzerhand der Schmarotzer zum ausschweifenden Mahl mit den Eliten ins Hospital eingeladen, um schließlich gut erheitert neue Unterkunft beim Bürgermeister zu finden. So erklärt der Zechpreller Chlestakow mit der schön gekleideten Schwester (Annika Hofferbert, KS 1) und der süßen Tochter (Antonia Kozel, 9d) des Bürgermeisters in den Armen, dass das Leben schöner kaum sein könnte. Eine größere Menge Wodka im Herzen bestätigt ihn in seiner Wahrnehmung und scheint auch Auswirkungen auf die weniger gut betankten Anwesenden zu haben. Schließlich resümiert die „lachsfarbene Venus“ am Rand der Bühne gänzlich unpassend, während sie sich lasziv räkelt: „Ein Mann ist das und Manieren hat er!“, kurz bevor der vermeintliche Revisor vom Bürgermeister höchst selbst geschultert werden muss, um ihn und seinen Suff zu versorgen.

Trotz bestehender Zweifel des Bürgermeisters an der Eignung des Revisors für sein Amt, setzt er das begonnene Spiel fort. Zwar ist der junge Mann „[e]in Würstchen – aber man weiß ja nicht, was drinsteckt.“ So nimmt denn alles seinen Lauf und Rubel für Rubel wandert – natürlich nur „geliehen“ – in die Tasche des „Revisors“, bis dieser allen Anwesenden als geeignete Partie für die Tochter des Bürgermeisters erscheint.

Letztlich wird Diener Ossip das Spiel zu heiß und so schafft er es doch, seinen Herrn zum Gehen zu bewegen. Genau im richtigen Moment, denn Chlestakow konnte es sich nicht nehmen lassen, seinen betrügerischen Triumph in einem Brief in die Welt hinauszuposaunen. Ein Spiel mit dem Feuer, ist doch in dieser Provinz ein Postbeamter (Elif Haita, 9b) tätig, der mehr auf die Befriedigung seines persönlichen literarischen Interesses fokussiert ist, als auf die Einhaltung des Postgeheimnisses. So erfahren nunmehr alle – bis hin zur Kellnerin (Larissa Freudl, KS 2), dem Polizeiassistenten (Nadja Veit, 9b) und dem Boten (Justus Weber, 10b), wie sie in ihrer Leichtgläubigkeit selbst Opfer ihres korrumpierten Systems wurden und das genau in der Sekunde, in der der echte Revisor an der Tür klopft.

Für einige der Schüler war dieser Auftritt nicht nur die Prämiere des „Revisors“, sondern auch die ganz persönliche Bühnenprämiere. Sie alle konnten zeigen, was in ihnen steckt. Ein großes Lob an das Ensemble!

Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang Nicole Dully, Annika Hofferbert, Lisa-Marie Ernst und Felix Reber, die trotz ihrer Rollen beziehungsweise instrumentalen Mitwirkung beim Musical „Bad Girls“ noch vor wenigen Wochen erneut die Zeit und die Kraft gefunden haben, auch bei dieser Theaterinszenierung zu glänzen. Für sie waren, ebenso wie für alle Schauspieler, umfangreiche Monologe, temporeiche Dialoge, chorisches Sprechen und tolles Timing kein Problem. Dem Ganzen setzt Felix Stark die Krone auf: Er ließ schließlich in keinem Zuge erahnen, dass er die krankheitsbedingt ausgefallene Rosalie Jaus spontan vertrat und ihm nur drei kurze Tage der Vorbereitung zur Verfügung standen. Auch das Ensemble stellte sich ohne Probleme auf die neue Personenkonstellation ein und spielte als Einheit, die allen Beteiligten ausreichenden Freiraum bot, um das eigene Können einzubringen. Chapeau!

Herzlichen Dank, Frau Moser und Frau Pfaff, dass Sie durch Ihr Engagement die Schüler des LMG so zum Wachsen bringen und Ihren Zuschauern dabei zugleich so viel Freude bereiten! Auch wenn Ihnen nun erst einmal Erholung gegönnt sei, so bleibt die Hoffnung, dass es bis zum nächsten Wiedersehen in der Gemeindehalle Neckargröningen nicht allzu lange dauert.

Bericht: Teresa Strumann

Bilder: Jacqueline Bleistein

Probentage der Theater-AG zu Nikolai Gogols “Der Revisor”

Probentage der Theater-AG zu Nikolai Gogols “Der Revisor”

Am 7. Januar war es wieder soweit. Die Theater-AG fuhr auf die alljährlichen Theaterprobentage, die dieses Jahr in der Jugendherberge Bad Urach stattfanden. Nach unserer Ankunft fingen wir auch fast sofort an, unser diesjähriges Theaterstück “Der Revisor” von Nikolai Gogol zu proben. Angeleitet wurden wir dabei von unseren beiden engagierten Leiterinnen Frau Moser und Frau Pfaff. Noch am selben Tag stieß auch noch Unterstützung in Form des langjährigen Theater-Pädagogen Clemens Schäfer zu uns.

Am nächsten Tag fokussierten wir uns auf einzelne Akte und versuchten, die bereits erlernten Szenen weiter zu verbessern. Durch die zusätzlichen Tipps von Clemens Schäfer in Kombination mit den Ideen unserer Leiterinnen kamen wir besonderst gut voran und konnten unseren Szenen einen besonderen Schliff ohne Langeweile und immer viel Action verleihen.

Trotz der intensiven Proben kam der Spaß aber auch nicht zu kurz. Die Abende verbrachten wir zusammen im Gemeinschaftsraum wo wir verschiedene Impro-Spiele oder klassische Gesellschaftsspiele spielten. Auch allgemein gab es natürlich immer etwas zu lachen.
Als wir am 9. Januar um die Mittagszeit zurückfuhren, waren wir zwar alle etwas müde, aber auch guter Laune und voller Motivation, das Stück weiter zu verbessern, sodass für die Aufführung Mitte März alles perfekt ist.

Bericht: Lea Barmetler

Photo: J. Pfaff

Theater-AG: Aufführung von “Wie es euch gefällt”

Theater-AG: Aufführung von “Wie es euch gefällt”

„Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frau‘n und Männer sind nur Spieler.“

Am 8., 9. und 10. März 2018 spielte die Theater-AG des Lise-Meitner-Gymnasiums William Shakespeares Komödie „Wie es euch gefällt“. Nach zwei Dramen in den letzten zwei Jahren wagte sich das Ensemble dieses Mal unter der Leitung von Katy Moser, Sarah Santangelo und Ilka Apelmann an ein heiteres Stück über Schein und Sein, Liebe und Abneigung, Wahrheit und Verstellung und konnte wieder einmal mit tollen schauspielerischen Leistungen und cleveren dramaturgischen Einfällen überzeugen.

Nach dem Tod ihres Vaters stehen die beiden Brüder Oliver (Benjamin Kurtz) und Orlando (Caner Gecgel) vor völlig unterschiedlichen Ausgangsituationen: Oliver hat das Erbe, Orlando nicht nur kein Geld, sondern auch eine Sinnkrise, weswegen er am Hof der Herzogin Frederika (Mila Demsar), die dort seit der Verbannung ihrer Schwester herrscht, einen Kampf gegen den berüchtigten Hofringer Charles (Roudy Nasro) gewinnen will. Überraschenderweise gewinnt Orlando nicht nur den Kampf, sondern auch das Herz der sonst eher kühlen Rosalind (wie immer beeindruckend: Ewa Stroh), Tochter der rechtmäßigen Herzogin und Nichte von Frederika.

Doch die junge Liebe wird alsbald auf die Probe gestellt, muss Orlando doch in den Ardenner Wald fliehen, nichtwissend, dass seine Angebetete ebenfalls flieht, um ihrer Tante zu entkommen. Um nicht erkannt zu werden, verkleidet sich Rosalind als Mann „Ganymede“ und in Begleitung ihrer beiden Cousinen Celia und Violet (Belinda Kurras, Rosalie Jaus) und des Narren Touchstone (Felix Stark) genießt sie einige Zeit das ruhige, vom Hofzeremoniell befreite Leben einer Schäferin.

Dieses „einfache“ Leben im Ardenner Wald loben auch die verbannte Herzogin (Leonie Demsar) und ihr verbleibender Hofstaat, unter anderem die stets melancholischen Edelmänner Jacques und Mortimer (Jana Eiben, Annika Hofferbert), sowie Hofmusikantin Anne von Amiens (Nicole Dully). Doch auch das von den Hofleuten romantisierte pastorale Leben hat die eine oder andere Schattenseite. Schäfer Silvius (Max Pauli) kann bei seiner geliebten Phoebe (Lea Barmetler) nicht landen und als sich „Ganymede“ auch noch einmischt, verliebt sich Phoebe in „Ganymede“ und möchte erst recht nichts mehr von Silvius wissen.

Inzwischen hängt Orlando, sehnsüchtig nach Rosalind, Liebesbriefe im Wald an die Bäume und „Ganymede“ verspricht Orlando von seinem Liebeskummer zu heilen, indem er „ihn“ statt Rosalind anbetet. Doch so verlieben sich beide nur noch mehr ineinander und auch Orlandos Bruder Oliver, von seinem Bruder vor einem Löwen gerettet, verliebt sich in Rosalinds Cousine Celia.

So kommt es zum Schluss nicht nur zu einer, sondern gleich vier Hochzeiten: Rosalind und Orlando, Celia und Oliver, Phoebe und Silvius, und sogar der Narr Touchstone muss nun, nicht unbedingt freiwillig, die Schäferin Audrey (Celina Gineiger) heiraten. Herzogin Frederika beendet nach einer religiösen Eingebung die Fehde mit ihrer Schwester und so kann diese auf den rechtmäßigen Thron zurückkehren. Ein überraschend schnelles, aber glückliches Ende.

Nach den thematisch anspruchsvollen Dramen der letzten beiden Jahre konnte die Theater-AG dieses Jahr zeigen, dass sie auch ein Talent für das Komödiantische hat.

Die für Shakespeare so typischen Irrungen und Wirrungen wurden mit großer Spielfreude umgesetzt und die nicht immer einfache Sprache gekonnt mit Leben gefüllt. In überzeugendem Bühnenbild und Kostüm machte sich die junge Gruppe das über 400 Jahre alte Stück zu Eigen und zeigte mit Witz und Pfiff ein Spiel um Geschlechterrollen, Liebe und Identität. Wie immer ein gelungener Theaterabend, der wieder einmal zeigt, welche Vielseitigkeit und Qualität Schultheater bieten kann.

Bericht und Bilder: Jacqueline Pfaff

Wie es uns gefällt – Probentage der Theater-AG

Wie es uns gefällt – Probentage der Theater-AG

Intensiv probt die Theater-AG schon an ihrem neuen Theaterstück, „Wie es euch gefällt“ von William Shakespeare, welches sie kommenden März aufführen wird. Besonders viel Zeit bieten dabei immer die Theater-Probentage, die uns Schauspieler in diesem Jahr in die Jugendherberge Tübingen geführt haben. Montag bis Mittwoch, vom 27. bis zum 29. November, probten wir mit Blick auf den Neckar an vielen Szenen unseres Stücks. Dabei kamen wir ziemlich weit voran, doch fertig sind wir noch lange nicht.

Die Theater-AG produktiv…

In unserem Probenraum wurde gefühlt rund um die Uhr mit unseren engagierten Leiterinnen Frau Moser und Frau Santangelo und der Unterstützung eines professionellen Theater-Pädagogen, Clemens Schäfer, an einzelnen Szenen gearbeitet. Doch nicht nur durch den Probenraum hallten die von Shakespeare erdachten Sätze, auch an anderen Orten vernahm man die Konversationen des Dramas. Wenn jetzt der Eindruck entsteht, dass wir während den Probentagen nichts anderes als unser Stück im Kopf hatten, so ist das beabsichtigt, aber etwas irreführend.

…und blödelnd!

Abends, nach den langen und anstrengenden Proben, fanden unsere Schauspieler sich in kleineren Gruppen zusammen und spielten Gesellschaftsspiele, bei denen der wahre Walter oder auch Werwölfe zu finden waren, oder betrieben Impro-Theater (was kann man auch anderes erwarten von einer Theater-AG?). Diese Mischung hatte es in sich, sodass wir alle nicht sonderlich viel Schlaf abbekamen. Trotz Schlafmangel kamen wir mit der Arbeit mit den Szenen voran, es entstanden schöne Kompositionen aus Bewegungen, Dialog und kämpferischen Elementen. Auch der Humor kam nicht zu kurz, weder auf der Bühne noch während unserer Probentage. Sowohl beim Proben als auch bei unseren abendlichen Spielerunden hatten wir gemeinsam ziemlich viel Spaß – und darunter litt nicht mal die Produktivität, versprochen!

Bericht: Benjamin Kurtz

Fotos: K. Moser

“Die Hexenjagd” – Theater-AG überzeugt mit moderner Inszenierung

“Die Hexenjagd” – Theater-AG überzeugt mit moderner Inszenierung

 

Eine gelungene Inszenierung mit tollen Schauspielleistungen!

„Wir sind hier, um herauszufinden, was niemals jemand gesehen hat.“Am 18., 19. und 20. Mai 2017 spielte die Theater-AG des Lise-Meitner-Gymnasiums Arthur Millers „Die Hexenjagd“, ein anspruchsvolles Stück über Macht, Aberglaube und Wahrheit. In Zeiten von „Fake News“ und „Alternative Facts“ präsentierte das Ensemble unter der Leitung von Katy Moser und Sarah Santangelo einen Kommentar zur Frage, was Wahrheit ist und wer diese bestimmt. Herausragende Einzelleistungen konnten ebenso wie die moderne Dramaturgie überzeugen und trugen zu einem gelungenen Theater-Abend bei.

Salem, Massachusetts, 1692: Ausgelassenes Tanzen, eine jugendliche Faszination für das Übernatürliche und ein leichtfertig ausgeführtes Ritual – was als harmloser Spaß beginnt, endet damit, dass Betty Parris (Jana Eiben, KS II) regungslos im Bett liegt und ihrem Vater Pastor Samuel Parris (Nico Ranelluci, KS II) große Sorgen bereitet. Auch seine Nichte Abigail Williams (beeindruckend: Ewa Stroh, KS I) war in der Nacht dabei und schwört, dass die beiden Mädchen und ihre Freundinnen nichts Verbotenes getan hätten. Doch unter dem Druck der Nachbarn und dem Experten für Übernatürliches, John Hale (Felix Stark, KS I), stellt sich schnell heraus, dass die Mädchen mit der Sklavin Tituba (Carlotta Jaus, 10a) ein okkultes Experiment durchgeführt haben. Hales konsequentes Fragen führt schnell dazu, dass herauskommt, was „wirklich“ passiert ist: Tituba hat mit den Mädchen den Teufel angerufen und Hexen aus dem Dorf gehen im Wald um. Abigail, Betty und Tituba bereuen ihre Tat und Hale scheint den Teufel und die Hexen erfolgreich vertrieben zu haben.

Doch das Geständnis der Mädchen hat schnell ungeahnte Folgen. Nachbarn wie Thomas und Ann Putnam (Benjamin Kurtz, KS I und Nicole Dully, 10a) beschuldigen ihre Nachbarin Rebecca Nurse (Laura Scholz, KS II) eine Hexe zu sein und die Mädchen scheinen dies zu bestätigen. Immer mehr Menschen werden unter der Führung von Abigail der Hexerei bezichtigt und die Aussagen der Mädchen genügen, um Todesurteile auszusprechen. Auch Abigails ehemalige Herrin Elizabeth Proctor (stark: Fariba Aatef, KS II) gerät ins Fadenkreuz der Hexenjäger. Nur ihre Magd Mary Warren (Belinda Kurras, KS I), selbst eine der Mädchen, kann nun noch bezeugen, dass Abigail Elizabeth absichtlich und böswillig verdächtigt, liebt sie doch Elizabeths Mann John Proctor (Tzortzi Bakirtzis , KS II). Dieser ist tatsächlich einmal schwach geworden, erwidert ihr Liebe aber nicht. Als Elizabeth schließlich verhaftet und der Hexerei angeklagt wird, muss Mary sich entscheiden, auf welcher Seite sie steht.

Als Richter Hathorne (Nadine Spegel, KS II) und der stellvertretende Gouverneur (Miriam Sowizral, KS II) nach Salem kommen, scheint die Wahrheit endlich ans Licht zu kommen. In einem aufreibenden Prozess, beobachtet von Abigail, Betty, Susanna (Celina Gineiger, KS I) und Mercy (Alexandra Ignatiadou, KS II), versuchen die Richter Mary die Wahrheit zu entlocken. Doch Mary kann kaum beweisen, dass sie sich alles nur ausgedacht hat und die anderen Mädchen setzen sie unter Druck, indem sie sie beschuldigen, sie zu verhexen. Als Abigail der Hurerei bezichtigt wird, scheint sich das Blatt zu wenden, doch Elizabeth Proctor steht zu ihrem Mann und will nicht zugeben, dass er ihr untreu war. So hat Abigail kein offensichtliches Motiv und kann ihr Spiel weiterspielen: Mary schließt sich den Mädchen wieder an und gemeinsam verdammen sie John und Elizabeth Proctor.

Einige Monate und viele tote „Hexen“ später hat John, gezeichnet vom Gefängnis, eine letzte Wahl sich und seine schwangere Frau Elizabeth zu retten: Er muss die Hexerei zugeben und wird dann freigesprochen. Doch er ist unschuldig und kann nicht zugeben, was er nicht getan hat, auch um seiner Kinder Willen. Auch Samuel Parris und John Hale, erschüttert von dem, was sie losgetreten haben, bedrängen ihn, zu gestehen, damit es nicht noch mehr Tote gibt. John Proctor, voller Todesangst, hadert lange mit seiner Entscheidung, kann er doch keine Wahrheit zugeben, die nicht wahr ist. Doch schließlich geht John in den Tod – erhobenen Hauptes und stolz, sich keiner Lüge gebeugt zu haben, sondern bis zum Schluss der Wahrheit treu geblieben zu sein. Es bleibt nur noch Elizabeth, nun Witwe, aber wissend, dass ihr Mann seinen Prinzipien treu geblieben ist.

Es war kein einfacher Stoff, den das Ensemble hier gekonnt in Szene setzte. Viele Momente waren beklemmend und waren in ihrer Intensität nicht einfach zu spielen und umzusetzen. Wenig Bühnenbild und Requisiten lenkten den Blick voll und ganz auf die jungen Schauspieler, die die Spannung zwei Stunden aufrecht hielten; eine großartige Leistung. Getragen vom Ensemble konnten vor allem die Schülerinnen und Schüler der Kursstufe I und II brillieren und trugen zu einer wieder einmal sehr gelungenen Inszenierung bei, die Lust auf nächstes Jahr macht.

Bericht und Bilder: Jacqueline Pfaff