Survival-Modus auf der Bühne: Die Theater-AG des LMG spielt „Herr der Fliegen“

Gespeichert von Bleistein am Mo, 05/18/2026 - 19:13

Die Theater-AG des LMG hat erneut ein großartiges Theaterstück auf die Bühne gebracht. Sie spielte vom 19. bis zum 21. März 2026 an drei Abenden in der Gemeindehalle Neckargröningen vor großem Publikum „Herr der Fliegen“ von William Golding. 

Damit wagten sie sich nach zahlreichen eher komödiantischen Stücken an ein deutlich schwereres Thema und unterstrichen damit die Bandbreite ihres schauspielerischen Könnens. 

Auf einer unbewohnten Insel stranden nach einem Flugzeugabsturz eine Gruppe englischer Schülerinnen und Schüler. Ohne Hilfe und ohne Erwachsene müssen sie sich nun zurechtfinden. Zunächst stehen die Teilgruppierungen noch gemeinsam zusammen, versuchen Regeln festzulegen, Vernunft walten zu lassen, bauen Unterstände und hoffen auf Rettung durch ihr selbstgeschaffenes Signalfeuer. 

Sie einigen sich kurzzeitig auf eine Anführerin Remy (großartig gespielt von Yoana Dimova). Diese wird beratend immer wieder von Piggy (Mattea Lemp), welche fest an Strukturen und Regeln glaubt, unterstützt. Alles hätte irgendwie funktionieren können – wäre da nicht Jackie, sehr überzeugend dargestellt von Hanna Laures. Sie, als „Leiterin“ der gestrandeten Schülerchorgruppe (mit Neema Kröner, Lena Reinle, Sina Tiltmann, Lisa Lenhart, Melike Altun, Isabella Wolf, Alexa Fein, Fabian Schuler) tritt äußerst dominant und wetteifernd auf. Als die selbsternannte wahre Anführerin versucht sie immer wieder, einen Teil der Gruppe (gespielt von Hamza Altun, Melina Alle, Alina Henkelmann) auf ihre Seite zu ziehen. Was folgt, ist ein barbarischer Überlebenskampf, in dem ein aufgespießter Schweinekopf zum sichtbaren Zeichen wird. Selbst als die Angst um ein mysteriöses Monster umgeht, schaffen es die Gestrandeten nicht, sich zu vereinen. Die Spaltung ist vollzogen und die Protagonisten machen auch vor Mord nicht mehr Halt. 

Der Schluss kommt mit der Rettung durch einen Offizier (Neema Kröner) überraschend und abrupt. Die Zuschauerinnen und Zuschauer bleiben nachdenklich zurück. Über die Geschehnisse wird eine Decke des Schweigens gelegt.

Die Theatergruppe des LMGs unter der Leitung von Katy Moser und Anselm Shah ist bestens eingespielt und zeigt auf vielfältige Weise, wie gut eine Gruppe funktionieren und zusammenwachsen kann. Ganz anders als im Stück harmonieren die unterschiedlichen Charaktere im gemeinsamen Spiel perfekt. 

Gewohnt textsicher, zeigt die Theatergruppe ihr Können, auf nahezu immer vollbesetzter Bühne. Sie decken gekonnt und tiefgründig auf, dass Regeln und Moral keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern nur fragiles Konstrukt und wie das Böse im Menschen angelegt sein kann.

Das Bühnenbild ist minimalistisch und gewinnt gerade dadurch an Ausdruckskraft. Schon wenige Requisiten genügen, um die Einsamkeit der Insel erfahrbar zu machen: eine Handvoll geschnitzter Speere und ein aufgespießter Schweinekopf. 

Im Zentrum steht ein schlichtes, mit einigen Pflanzen geschmücktes Gerüst. Es deutet den Berg der Insel an und dient zugleich als Ort des Feuers.

Die dadurch entstehenden unterschiedlichen Ebenen visualisieren die wachsende Kluft zwischen den beiden Gruppen. Die Licht- und Ton-AG (Leitung: Veronica Paar) unterstützt die Inszenierung gekonnt. Begleitet werden die Szenenwechsel von einer repetitiven, an Twin Peaks erinnernden Melodie, die die zunehmende Bedrohlichkeit atmosphärisch verdichtet.

Die Theater-AG hat ein packendes und überzeugendes Stück auf die Bühne gebracht!

Bericht: M. Lichtenberg
Bilder: J. Bleistein

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